Das DEL Winter Game ist das größte Einzelevent im deutschen Eishockey — eine Partie unter freiem Himmel, die alles übersteigt, was die PENNY DEL im regulären Saisonbetrieb zu bieten hat. Eishockey unter freiem Himmel — ein Erlebnis, das Fans, Spieler und Medien gleichermaßen in seinen Bann zieht. Das Winter Game 2025 in Frankfurt hat mit 45.110 Zuschauern einen Rekord aufgestellt, der die Dimensionen dieses Events eindrucksvoll unterstreicht.
Open-Air-Eishockey hat in Nordamerika eine lange Tradition. Die NHL veranstaltet seit 2008 ihr Winter Classic, das regelmäßig über 70.000 Zuschauer anzieht. Die DEL hat dieses Konzept für den deutschen Markt adaptiert und daraus ein eigenständiges Format geschaffen, das mittlerweile zu den Highlights der Saison gehört. Der Deutsche Bank Park in Frankfurt als Kulisse, die Adler Mannheim und die Löwen Frankfurt als Kontrahenten — das waren die Zutaten für einen Abend, der in die Geschichte des deutschen Sports eingehen wird.
Auf dieser Seite blicken wir zurück auf das Winter Game 2025, ordnen es in die Geschichte des Formats ein und schauen, was die Zukunft bringen könnte. Denn das Winter Game ist mehr als ein einzelnes Spiel — es ist ein Statement dafür, wie groß Eishockey in Deutschland werden kann, wenn man ihm die richtige Bühne gibt.
Winter Game 2025 in Frankfurt: 45.110 Zuschauer im Deutsche Bank Park
Am 4. Januar 2025 verwandelte sich der Deutsche Bank Park in Frankfurt am Main von einem Fußballstadion in eine Open-Air-Eishockey-Arena. Die Löwen Frankfurt empfingen die Adler Mannheim vor 45.110 Zuschauern — ein Rekord für eine einzelne Eishockeyveranstaltung in Deutschland. Das Spiel selbst endete 5:1 für die Löwen, aber das Ergebnis war an diesem Abend zweitrangig.
Die Atmosphäre im Stadion war das eigentliche Ereignis. Eishockey auf einer temporären Eisfläche, umgeben von Zehntausenden, die normalerweise für Fußball oder Konzerte in diese Arena kommen — das war für viele Zuschauer ein völlig neues Erlebnis. Die Stimmung hatte etwas Festivalartiges: Rahmenprogramm mit Musik und Shows, Stände mit Essen und Merchandise, dazu die besondere Optik eines beleuchteten Eisfelds unter dem Nachthimmel. Familien saßen neben Ultra-Gruppen, Erstbesucher neben Dauerkarten-Inhabern — eine Mischung, die dem Eishockey in Deutschland selten vergönnt ist.
Auch medial war das Winter Game 2025 ein Erfolg. Auf MagentaSport verfolgten rund 200.000 Zuschauer die Partie live — ein Rekord für ein einzelnes DEL-Spiel auf der Streaming-Plattform. Diese Zahl zeigt, dass das Event nicht nur im Stadion, sondern auch an den Bildschirmen landesweit Aufmerksamkeit erzeugte. Für die DEL ist das Winter Game damit auch ein Marketinginstrument, das weit über den einzelnen Spieltag hinauswirkt.
Die sportlichen Rahmenbedingungen eines Open-Air-Spiels sind besonders. Die Eisfläche unterliegt den Wetterbedingungen — Temperatur, Wind und Niederschlag beeinflussen die Eisqualität und damit das Spielniveau. Die Torhüter kämpfen mit veränderten Sichtverhältnissen, die Spieler mit ungewohnten Windböen und einer Eisoberfläche, die anders reagiert als in einer klimatisierten Halle. Das macht das Winter Game zu einem Spiel, in dem taktische Disziplin und Anpassungsfähigkeit wichtiger sind als reine spielerische Klasse.
Für die Löwen Frankfurt war das Winter Game ein Heimspiel in einem Ausmaß, das ihr reguläres Stadion — die Eissporthalle am Ratsweg — niemals bieten kann. Die Löwen, erst 2021 in die DEL aufgestiegen, haben mit diesem Event einen Meilenstein in ihrer jungen DEL-Geschichte gesetzt. Der 5:1-Sieg gegen das Traditionsschwergewicht Mannheim vor einer Rekordkulisse — ein Abend, den die Frankfurter Eishockey-Fans nicht vergessen werden.
Die Organisation eines solchen Events ist logistisch anspruchsvoll. Die temporäre Eisfläche muss mehrere Tage vor dem Spiel aufgebaut und konstant gekühlt werden — eine Aufgabe, die bei winterlichen Außentemperaturen einfacher klingt, als sie ist, denn die Sonneneinstrahlung am Tag und die Abwärme von Zehntausenden Zuschauern können die Eisqualität beeinträchtigen. Dazu kommen Sicherheitskonzepte, Catering für eine fünfstellige Besucherzahl und die technische Infrastruktur für die TV-Übertragung. Das Winter Game ist ein Mammutprojekt, dessen Aufwand sich erst am Spieltag selbst auszahlt — dann aber mit einer Wucht, die alle Beteiligten überzeugt.
Von Nürnberg bis Frankfurt: Die Geschichte des DEL Winter Game
Das Konzept des Open-Air-Eishockeys in der DEL hat eine Vorgeschichte, die bis ins Jahr 2013 zurückreicht. Das erste Winter Game der Liga fand am 5. Januar 2013 im Grundig-Stadion in Nürnberg statt, wo die Nürnberg Ice Tigers die Thomas Sabo Ice Tigers — damals noch unter diesem Namen — gegen die Eisbären Berlin vor rund 50.000 Zuschauern empfingen. Schon damals zeigte sich das Potenzial des Formats: Die Zuschauerzahl übertraf alles, was die DEL bis dato gesehen hatte.
Es folgten weitere Winter Games in unterschiedlichen Stadien. 2019 fand das Event in Köln im RheinEnergieStadion statt, wo die Kölner Haie vor über 43.000 Zuschauern spielten. Die Haie nutzten die Kulisse ihres Fußball-Nachbarn, des 1. FC Köln, und verwandelten das Stadion in eine Eishockey-Kathedrale unter Flutlicht. Jedes dieser Events hatte seine eigene Atmosphäre, seine eigene Geschichte, und jedes bewies aufs Neue, dass Eishockey unter freiem Himmel in Deutschland funktioniert — nicht als Kuriosität, sondern als ernsthafter Publikumsmagnet.
Dallas Eakins, Trainer der Adler Mannheim und gebürtiger Kanadier, brachte die Faszination des Formats auf den Punkt: „Es ist so speziell, weil es uns an die Wurzeln des Spiels erinnert. In Kanada spielen wir als Kinder unter freiem Himmel auf der Straße. Ich freue mich riesig, dass wir in solch einem großen Stadion spielen dürfen.“ Diese Perspektive eines Trainers, der mit Open-Air-Hockey aufgewachsen ist, unterstreicht, warum das Winter Game mehr ist als ein Marketing-Event — es ist eine Rückbesinnung auf das, was Eishockey im Kern ausmacht.
Der Vergleich mit dem NHL Winter Classic ist naheliegend, aber nicht ganz fair. Die NHL spielt vor Kulissen von 70.000 bis über 100.000 Zuschauern — Zahlen, die in Deutschland kaum erreichbar sind. Aber der prozentuale Effekt ist vergleichbar: Das Winter Game multipliziert die normale Zuschauerzahl eines DEL-Spiels um den Faktor fünf bis sieben und generiert mediale Reichweiten, die das Vielfache eines regulären Spieltags betragen.
Für die Zukunft des Formats gibt es mehrere Optionen. Weitere Fußballstadien in Deutschland bieten sich als Austragungsorte an — das Berliner Olympiastadion, die Arena in München, der Signal Iduna Park in Dortmund. Die DEL hat angekündigt, das Winter Game als regelmäßiges Event fortzuführen, wobei der Rhythmus und die Standorte variieren können. Jedes neue Stadion bringt seine eigene Identität mit, seine eigene Fanbase und seinen eigenen Charme. Das Winter Game lebt von dieser Abwechslung — von der Idee, dass Eishockey überall möglich ist, wo es kalt genug ist und genug Menschen kommen.
Eishockey unter freiem Himmel — ein Erlebnis, das in der DEL seinen festen Platz gefunden hat und weiter wachsen wird. Die 45.110 aus Frankfurt sind nicht das Ende der Geschichte, sondern ein Zwischenstand. Die nächste Rekordmarke wartet bereits.
