Die National League Schweiz und die ICEHL gehören zu den spannendsten Eishockeyligen Europas — und für deutsche Fans sind sie näher, als man denkt. Über die Grenze — Eishockey in der Schweiz und Österreich: Der DACH-Raum vereint drei Eishockey-Nationen, deren Ligen sich gegenseitig beeinflussen, Spieler austauschen und bei internationalen Turnieren aufeinandertreffen.
Wer nur die DEL und die NHL verfolgt, verpasst einen Teil des europäischen Eishockeys, der für das Gesamtbild des Sports unverzichtbar ist. Die Schweizer National League gilt als eine der stärksten Ligen außerhalb der NHL — mit höheren Spielergehältern als in der DEL und einer Qualität, die regelmäßig Spieler in die NHL exportiert. Die ICEHL bringt mit ihrem multinationalen Format Teams aus Österreich, Italien, Ungarn, Slowenien und Tschechien zusammen und bietet ein europäisches Wettbewerbsmodell, das es in dieser Form nirgendwo sonst gibt.
Auf dieser Seite porträtieren wir beide Ligen — ihre Formate, ihre Stars, ihre Besonderheiten und die Verbindungen zum deutschen Eishockey. Denn Eishockey kennt keine Grenzen im DACH-Raum, und wer das versteht, versteht den Sport besser.
Schweizer National League: Die stärkste Liga im deutschsprachigen Raum
Die National League ist die höchste Spielklasse der Schweiz und wird von vielen Experten als stärkste Liga Europas außerhalb der KHL eingestuft — eine Einschätzung, die sich auf die Tiefe der Kader, die Spielergehälter und die Qualität des Eishockeys auf dem Eis stützt. Zwölf Teams kämpfen in einer Regular Season um die Playoff-Plätze, gefolgt von Best-of-Seven-Serien, die an Intensität der DEL mindestens ebenbürtig sind.
Die Top-Teams der National League sind über die Schweizer Grenzen hinaus bekannt: die ZSC Lions aus Zürich, der SC Bern, der HC Davos, der EV Zug und der Lausanne HC. Diese Clubs verfügen über Budgets, die teilweise deutlich über dem DEL-Durchschnitt liegen — ein Resultat der hohen Schweizer Gehälter und einer Vermarktung, die den Sport im Land fest verankert hat. Der SC Bern spielt in der PostFinance Arena vor regelmäßig über 16.000 Zuschauern — Zahlen, die in der DEL nur die Kölner Haie erreichen.
Was die National League für DACH-Fans besonders relevant macht, ist ihre Rolle als NHL-Pipeline. Nico Hischier, Kevin Fiala, Timo Meier, Roman Josi und Nino Niederreiter haben alle ihre Karrieren in der Schweiz begonnen, bevor sie den Sprung in die NHL schafften. Die Ausbildungsqualität der Schweizer Clubs ist auf einem Niveau, das dem kanadischen oder skandinavischen System nahekommt — und das bei einer Bevölkerung von nur knapp neun Millionen Menschen.
Laut IIHF-Erhebung hat die Schweiz rund 12.700 erwachsene Spieler und über 15.700 Junioren registriert. Im Verhältnis zur Bevölkerung ist das eine beeindruckende Dichte, die zeigt, wie tief Eishockey in der Schweizer Sportkultur verwurzelt ist. Deutschland kommt mit rund 6.800 erwachsenen Spielern bei einer fast zehnmal größeren Bevölkerung auf deutlich niedrigere Pro-Kopf-Werte — ein Vergleich, der die unterschiedliche Stellung des Sports in beiden Ländern illustriert.
Die Gehälter in der National League liegen im Spitzenbereich über denen der DEL, was gelegentlich dazu führt, dass Spieler die DEL verlassen, um in der Schweiz zu spielen — oder umgekehrt, wenn ein Akteur die finanzielle Sicherheit der Schweiz gegen die Medienaufmerksamkeit und die größeren Arenen der DEL eintauschen will. Dieser Spieleraustausch stärkt beide Ligen und schafft eine Verbindung, die über die reine Konkurrenz hinausgeht.
Für deutsche Fans, die die National League verfolgen wollen, bieten spezialisierte Streaming-Plattformen Zugang. Die Spielzeiten überschneiden sich weitgehend mit der DEL, sodass Parallelbeobachtung über Liveticker und Streams möglich ist. Bei WM-Turnieren treffen Schweizer und deutsche Spieler regelmäßig aufeinander — die WM 2026 in Zürich und Fribourg bringt diese Rivalität auf heimischen Boden. Und für Fans aus dem süddeutschen Raum sind Auswärtsfahrten zu Schweizer Clubs logistisch gut machbar — Zürich, Bern oder Davos liegen von München, Stuttgart oder Freiburg aus nur wenige Stunden entfernt.
ICEHL: Die multinationale Liga mit österreichischem Herz
Die ICE Hockey League ist das wohl ungewöhnlichste Ligaformat im europäischen Eishockey. Was als rein österreichische Liga begann, hat sich zu einem multinationalen Wettbewerb entwickelt, der Teams aus Österreich, Italien, Ungarn, Slowenien und Tschechien vereint. Diese Vielfalt macht die ICEHL zu einer Liga, die in jeder Partie internationales Flair bietet — ohne den organisatorischen Aufwand eines echten europäischen Wettbewerbs wie der Champions Hockey League.
Die bekanntesten Teams der ICEHL sind Red Bull Salzburg, die Vienna Capitals, der KAC Klagenfurt und der HC Bozen aus Südtirol. Red Bull Salzburg dominiert die Liga seit Jahren mit der finanziellen Rückendeckung des Red-Bull-Konzerns und einem Kader, der sich teilweise mit DEL-Spitzenteams messen kann. Die Vienna Capitals bringen die Hauptstadtatmosphäre mit, der KAC hat als ältester Eishockeyclub Österreichs eine Tradition, die bis ins Jahr 1909 zurückreicht, und der HC Bozen fügt der Liga eine italienische Note hinzu, die in keinem anderen europäischen Wettbewerb zu finden ist. Dazu kommen Teams aus Ungarn, Slowenien und Tschechien, die die Liga zu einem echten multinationalen Projekt machen.
Das multinationale Format der ICEHL bringt logistische Herausforderungen mit sich: Auswärtsfahrten nach Budapest, Ljubljana oder Bozen erfordern mehr Planung als ein Trip innerhalb Österreichs. Aber genau diese internationale Dimension gibt der Liga ihren besonderen Reiz. Spieler aus einem halben Dutzend Nationen treffen aufeinander, unterschiedliche Eishockey-Kulturen prallen aufeinander, und die Atmosphäre in einer ungarischen oder slowenischen Halle ist anders als alles, was man aus der DEL kennt.
Österreich als Eishockey-Nation hat eine andere Struktur als Deutschland oder die Schweiz. Die Basis ist kleiner, die Ligen weniger tief, aber die Leidenschaft für den Sport ist in bestimmten Regionen — Kärnten, Tirol, Wien — enorm. Die IIHF-Daten zeigen die Verhältnisse im Vergleich: Während die Schweiz über 28.000 registrierte Spieler hat und Deutschland rund 26.500, bewegt sich Österreich in einer kleineren Größenordnung. Trotzdem produziert das Land regelmäßig NHL-Spieler und WM-Teilnehmer — ein Beweis dafür, dass die Qualität der Ausbildung wichtiger ist als die reine Masse.
Für deutsche Eishockey-Fans bietet die ICEHL eine Möglichkeit, den Sport in einem anderen Kontext zu erleben. Die Spiele sind über Streaming-Plattformen verfügbar, und wer in Süddeutschland lebt, kann ICEHL-Partien in Innsbruck oder Salzburg mit vergleichsweise kurzer Anreise live besuchen. Über die Grenze — Eishockey in der Schweiz und Österreich: Es lohnt sich, den Blick zu weiten. Die DACH-Nachbarn spielen nicht nur auf dem gleichen Kontinent — sie spielen den gleichen Sport, mit der gleichen Leidenschaft, nur in einem anderen Rahmen.
