Hockey Heute

Moritz Seider & Tim Stützle: Deutschlands nächste NHL-Generation

Sportvorhersagen

Ladevorgang...

Ladevorgang...

Moritz Seider und Tim Stützle stehen für das, was nach Draisaitl kommt — die nächste Welle deutscher NHL-Spieler, die nicht mehr als Ausnahmeerscheinungen gelten, sondern als Beleg für ein System, das funktioniert. Beide wurden in der Top-10 des NHL-Drafts gezogen, beide sind unter 25 und beide tragen bei ihren Franchise-Teams Verantwortung, die weit über ihren Erfahrungshorizont hinausgeht.

Was Seider und Stützle verbindet, ist mehr als die Nationalität. Beide haben ihre Jugendjahre im deutschen Eishockey verbracht, bevor sie den Sprung nach Nordamerika wagten. Beide standen vor der Herausforderung, sich in einer Liga zu behaupten, die schneller, härter und taktisch anspruchsvoller ist als alles, was sie aus der DEL oder der Juniorenszene kannten. Und beide haben diese Herausforderung angenommen — auf unterschiedliche Weise, mit unterschiedlichen Spielertypen, aber mit dem gleichen Ergebnis: Stammplatz in der NHL.

Nach Draisaitl — die nächste Welle. Hier sind die Spieler, die Deutschlands Zukunft im Eishockey definieren. Zwei junge Männer, die in verschiedenen Positionen und verschiedenen Teams denselben Beweis antreten: dass deutsche Eishockeyspieler in der NHL nicht mehr die Ausnahme sind, sondern die neue Normalität.

Moritz Seider: Mannheims Geschenk an die Detroit Red Wings

Moritz Seider wurde im NHL-Draft 2019 von den Detroit Red Wings an sechster Stelle gezogen — eine Überraschung, die in Mannheim Jubel und in der NHL-Analytiker-Szene Stirnrunzeln auslöste. Ein deutscher Verteidiger, gerade 18 Jahre alt, in den Top-10? Das galt als mutig, fast als riskant. Die Red Wings sahen, was andere erst später erkannten: einen Defensivspieler mit einer seltenen Kombination aus Physis, Spielübersicht und Reife.

Seider verbrachte ein Jahr in der SHL bei Rögle BK, bevor er 2021/22 sein NHL-Debüt gab — und sofort einschlug. Die Calder Trophy als bester Rookie der Saison war der Beweis, dass die Red Wings richtig gelegen hatten. Seider spielte von Anfang an über 20 Minuten pro Partie, was für einen NHL-Neuling ungewöhnlich ist und zeigt, wie viel Vertrauen die Trainer in seine Fähigkeiten setzten.

In der Saison 2025/26 ist Seider einer der Eckpfeiler des Red-Wings-Rebuilds. Detroit baut seit Jahren ein junges Team auf, und Seider ist neben Spielern wie Lucas Raymond die defensive Achse dieses Projekts. Seine Stärke liegt nicht in der Punkteproduktion — obwohl er als Verteidiger respektable Offensivzahlen liefert — sondern in seiner Fähigkeit, das Spiel zu kontrollieren. Positionstreue, körperliche Präsenz und ein kluger erster Pass machen ihn zu einem der komplettesten Verteidiger seiner Altersklasse.

In der DACH-Top-10 der NHL-Saison 2024/25 taucht Seider als einer der wenigen Defensivspieler auf — ein Zeichen dafür, dass sein Beitrag über die reinen Statistiken hinausgeht. Verteidiger werden in Rankings oft unterschätzt, weil ihre Arbeit weniger sichtbar ist als die der Stürmer. Aber jeder, der ein Red-Wings-Spiel gesehen hat, weiß: Wenn Seider auf dem Eis steht, wird Detroit sofort stabiler.

Abseits des Eises ist Seider für seine ruhige, besonnene Art bekannt — ein Kontrast zu seinem physischen Spielstil, der ihn zu einem der härtesten Bodychecker der Liga macht. In der Kabine gilt er als Führungspersönlichkeit, obwohl er erst Mitte zwanzig ist. Ein Spieler, der reifer wirkt als seine Jahre — ein Attribut, das in der NHL-Defensivarbeit unschätzbar wertvoll ist und Seiders Weg zum zukünftigen Alternate Captain oder Captain in Detroit vorzeichnet.

Tim Stützle: Viersens Antwort auf die NHL-Offensive

Tim Stützle wurde im NHL-Draft 2020 an dritter Stelle von den Ottawa Senators gezogen — die dritthöchste Draft-Position, die je ein deutscher Spieler erreicht hat, gleichauf mit Draisaitl. Der gebürtige Viersener hatte sich mit einer beeindruckenden Saison in der DEL bei den Adler Mannheim in die Aufmerksamkeit der NHL-Scouts gespielt: 34 Punkte in 41 Spielen als 17-Jähriger in einer Profiliga — das hatte es in der DEL so noch nicht gegeben.

Bei den Senators übernahm Stützle sofort eine offensive Schlüsselrolle. Sein Spielstil ist geprägt von Tempo, Kreativität und einer Schusshärte, die für seine Statur bemerkenswert ist. Stützle ist ein Spieler, der mit dem Puck am Schläger gefährlich wird — seine Fähigkeit, aus dem Lauf heraus den Torhüter unter Druck zu setzen, macht ihn zu einem der aufregendsten jungen Offensivtalente der Liga.

Die Entwicklung über die Saisons zeigt eine klare Aufwärtskurve. Von den anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten — physisch gegen erwachsene NHL-Verteidiger zu bestehen, taktische Disziplin in der neutralen Zone — hat Stützle sich zu einem verlässlichen Top-6-Stürmer entwickelt. In der Vorsaison 2024/25 gehörte er zu den produktivsten Spielern der Senators und ist in der aktuellen Saison 2025/26 einer der Führungsspieler im Team.

Ottawa selbst befindet sich in einem ähnlichen Rebuild wie Detroit, und Stützle ist neben Brady Tkachuk das offensive Aushängeschild dieses Prozesses. Ob die Senators in den kommenden Jahren den Sprung in die Playoffs schaffen, hängt maßgeblich davon ab, ob Stützle den nächsten Entwicklungsschritt macht — vom guten Spieler zum Franchise-Player, der Spiele allein entscheiden kann.

In der DACH-Top-10 der NHL taucht Stützle als einer der jüngsten Spieler auf. Seine beste Zeit liegt noch vor ihm — und das ist vielleicht das Aufregendste an seiner Karriere: Das Potenzial ist bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Wenn Stützle in den kommenden Jahren die Konsistenz erreicht, die Draisaitl seit mehreren Saisons zeigt, könnte er sich vom sehr guten zum herausragenden NHL-Spieler entwickeln. Die Anlagen dafür sind vorhanden — es fehlt nur die Zeit.

Zwei Wege, ein Ziel: Seider und Stützle im Vergleich

Der direkte Vergleich zwischen Seider und Stützle ist reizvoll, aber letztlich unfair — sie spielen verschiedene Positionen, haben verschiedene Rollen und werden an verschiedenen Maßstäben gemessen. Seider ist der defensive Anker, Stützle der offensive Motor. Seider bringt Stabilität, Stützle bringt Spektakel. Beide sind für ihre Teams unverzichtbar, aber auf grundlegend unterschiedliche Weise.

Was beide verbindet: die Vertragssituation. Sowohl Seider als auch Stützle haben langfristige Verträge bei ihren Teams unterschrieben, die ihr Bekenntnis zu Detroit bzw. Ottawa unterstreichen. Für den deutschen Eishockeysport bedeutet das: Die nächste Generation ist nicht nur angekommen, sie bleibt. Und mit den Olympischen Winterspielen 2026 in Milano Cortina haben beide die Chance, gemeinsam mit Draisaitl auf der größten Bühne zu spielen, die der Eishockeysport zu bieten hat. Eine deutsche Olympia-Mannschaft mit Draisaitl im Zentrum, Seider in der Defensive und Stützle in der Offensive — das ist keine Wunschvorstellung mehr, das ist die Realität der Saison 2025/26.

Nach Draisaitl — die nächste Welle. Seider und Stützle sind der Beweis, dass Draisaitls Erfolg kein einmaliger Ausreißer war. Sie sind der Anfang einer Generation, die das deutsche Eishockey in der NHL dauerhaft verankern könnte. Dahinter stehen weitere Talente wie JJ Peterka und Lukas Reichel, die in der Liga Fuß fassen und die Breite des deutschen Eishockey-Exports demonstrieren. Die Zukunft ist da — und sie wird Jahr für Jahr ein bisschen größer.