Die Eishockey-WM 2025 in Schweden und Dänemark endete mit einer historischen Überraschung: Die USA gewannen erstmals seit 1960 den Weltmeistertitel — ein Ergebnis, das niemand auf dem Zettel hatte und das die Machtverhältnisse im internationalen Eishockey neu ordnete. WM 2025 — eine historische Überraschung, die noch lange nachhallen wird.
Für Deutschland war das Turnier eine Enttäuschung. Die DEB-Auswahl schied in der Gruppenphase aus — ein Resultat, das nach den Hoffnungen der vergangenen Jahre Ernüchterung hinterlässt. Gleichzeitig zeigte das mediale Interesse, dass Eishockey-WM in Deutschland kein Randthema mehr ist: Auf ProSieben verfolgten bis zu 4,38 Millionen Zuschauer die Spiele der Nationalmannschaft.
In diesem Rückblick analysieren wir den Turnierverlauf, das US-Gold, Deutschlands Auftritt und die Lehren, die der DEB für die WM 2026 in der Schweiz ziehen muss. Denn die WM 2025 war nicht nur eine historische Überraschung — sie war auch ein Gradmesser dafür, wo Deutschland im internationalen Eishockey steht. Und die Antwort fällt differenzierter aus, als die bloße Gruppenphase-Bilanz vermuten lässt.
Turnierverlauf: Wie die USA nach 65 Jahren zurück auf den Thron kamen
Die IIHF-Weltmeisterschaft 2025 wurde in Schweden und Dänemark ausgetragen — ein Ko-Gastgebertum, das der IIHF zunehmend häufig praktiziert, um die organisatorische und finanzielle Last zu verteilen. Die Gruppenphase fand in Stockholm und Herning statt, die K.o.-Runde ab dem Viertelfinale konzentrierte sich auf einen Standort.
Die USA starteten als Mitfavorit ins Turnier, aber nicht als Topfavorit — diese Rolle war für Kanada und Finnland reserviert. Kanada, Finnland und Schweden galten traditionell als stärker eingeschätzt, und Tschechien hatte als Titelverteidiger von 2024 ebenfalls Ambitionen. Was die Amerikaner auszeichnete, war eine taktische Disziplin, die sie von früheren WM-Auftritten unterschied — ein Team, das nicht nur auf individuelles Talent setzte, sondern als Kollektiv funktionierte.
Der Weg zum Gold führte über souveräne Gruppensiege, enge K.o.-Spiele und ein Finale gegen die Schweiz, das die Überraschung des Turniers war. Die Eidgenossen, angeführt von NHL-Stars wie Nico Hischier und Roman Josi, hatten sich mit leidenschaftlichen Auftritten bis ins Endspiel gespielt. Im Finale unterlagen sie den USA, die damit erstmals seit den Olympischen Winterspielen 1960 in Squaw Valley einen großen internationalen Titel im Eishockey gewannen.
Die Bedeutung dieses Triumphs ist kaum zu überschätzen. 65 Jahre ohne WM-Gold — für eine Eishockeynation wie die USA, die NHL-Stars in Hülle und Fülle produziert, war das eine erstaunlich lange Durststrecke. Das Gold von 2025 durchbrach diesen Fluch und positionierte das US-Eishockey auf der internationalen Bühne neu. Für die WM 2026 in der Schweiz gehen die Amerikaner als Titelverteidiger an den Start — eine Rolle, die sie seit mehr als sechs Jahrzehnten nicht mehr innehatten.
Zu den individuellen Auszeichnungen des Turniers gehörten Trophäen für Spieler, die weit über die WM hinaus in der Eishockey-Welt bekannt sind. Die Torjäger-Krone, der MVP-Award und die Auszeichnung als bester Torhüter gingen an Spieler, deren Leistungen das Turnier auf ein hohes sportliches Niveau hoben. Die WM 2025 war kein Turnier der Zufälle, sondern eines der Qualität — die besten Teams setzten sich durch, und die Überraschungen waren sportlich begründet, nicht glücklich.
Die Gruppenphase bot bereits einige bemerkenswerte Ergebnisse. Traditionell starke Teams wie Russland — das wegen der politischen Situation weiterhin nicht teilnehmen durfte — fehlten, was das Teilnehmerfeld veränderte und anderen Nationen Raum gab. Die Schweiz nutzte diesen Raum am eindrucksvollsten und spielte sich mit einer Mischung aus erfahrenen NHL-Profis und jungen Talenten aus der National League bis ins Finale. Auch Lettland und Kasachstan zeigten Auftritte, die den Trend zur Nivellierung der internationalen Eishockey-Hierarchie bestätigten.
Skandinavien als Gastgeber lieferte die Kulisse, die ein solches Turnier verdient. Die Hallen in Stockholm und Herning waren gut besucht, die Organisation professionell, und die Atmosphäre — besonders bei den Spielen der Gastgeber-Nationen Schweden und Dänemark — war leidenschaftlich. Dass die WM in Nordeuropa stattfand, sorgte zudem für zuschauerfreundliche Anstoßzeiten in Mitteleuropa — ein Vorteil für die deutschen TV-Quoten.
Deutschland bei der WM 2025: Gruppenphase und die Lehren daraus
Deutschlands Turnier endete früher als erhofft. Die DEB-Auswahl konnte sich in der Gruppenphase nicht für die K.o.-Runde qualifizieren — eine Niederlage gegen Dänemark, den Ko-Gastgeber, war der entscheidende Stolperstein. Für ein Team, das seit der Silbermedaille bei Olympia 2018 immer wieder Hoffnungen auf ein tiefes WM-Laufen geweckt hatte, war das Ausscheiden ein Rückschlag.
Die Gründe für das Scheitern waren vielschichtig. Das Fehlen mehrerer NHL-Stars, die nach langen Playoff-Runs nicht rechtzeitig zur WM verfügbar waren, schwächte den Kader. Dazu kamen taktische Unzulänglichkeiten in der Defensive und eine Torausbeute, die hinter den Erwartungen zurückblieb. Die Breite des deutschen Kaders, die bei Turnieren mit vollem NHL-Aufgebot eine Stärke ist, wurde bei der WM 2025 zur Schwäche, weil die Qualität der Ersatzspieler nicht das Niveau der Stammkräfte erreichte.
Trotz des sportlichen Misserfolgs war das mediale Interesse in Deutschland beeindruckend. ProSieben erreichte mit der Übertragung der deutschen WM-Spiele eine Nettoreichweite von bis zu 4,38 Millionen Zuschauern — ein Wert, der zeigt, dass Eishockey-WM in Deutschland auch dann ein TV-Event ist, wenn die Nationalmannschaft nicht bis ins Finale kommt. Die Identifikation mit dem Team übersteigt den sportlichen Erfolg — ein Phänomen, das im Fußball bekannt ist und nun auch das Eishockey erreicht hat. Diese Zuschauerzahlen sind für Werbekunden und Sponsoren relevant und sichern die Free-TV-Präsenz des Eishockeys langfristig ab.
Die Lehren für die WM 2026 in der Schweiz sind klar: Deutschland braucht seine NHL-Stars, insbesondere wenn das Turnier im Mai stattfindet und die NHL-Playoffs noch laufen. Die Kaderzusammenstellung muss frühzeitiger geplant werden, und die taktische Vorbereitung muss die Schwächen von 2025 adressieren. Die Defensive, die beim Turnier mehrfach Gegentore aus vermeidbaren Positionen kassierte, muss stabiler werden. Und das Powerplay, das in entscheidenden Momenten zu selten traf, braucht neue Abläufe. Gleichzeitig zeigt die WM 2025, dass internationale Turniere für Deutschland kein Selbstläufer sind — der Abstand zur Weltspitze ist kleiner geworden, aber er existiert noch.
WM 2025 — eine historische Überraschung. Für die USA war es der lang ersehnte Triumph. Für Deutschland war es ein Weckruf. Und für das internationale Eishockey war es der Beweis, dass die Hierarchien weniger zementiert sind, als man glaubt. Die WM 2026 in Zürich und Fribourg bietet dem DEB die Chance, es besser zu machen — mit den richtigen Lehren aus einem Turnier, das anders gelaufen ist als geplant. Deutschland tritt in Gruppe A gegen Finnland, die Schweiz, die USA, Lettland, Ungarn, Österreich und Großbritannien an — eine Gruppe, die anspruchsvoll ist, aber mit der richtigen Vorbereitung und einem vollständigen Kader bewältigbar sein sollte.
