Der Eishockey-WM 2026 Spielplan steht fest, und für Deutschland beginnt das Turnier mit einer Aufgabe, die schwerer kaum sein könnte. Am 15. Mai trifft die DEB-Auswahl in Zürich auf Finnland — den Olympiasieger von 2022 und Weltmeister von 2022, eine der konstantesten Mannschaften im Welteishockey und einen Gegner, der Deutschland bei Weltmeisterschaften historisch Probleme bereitet. Das Turnier findet vom 15. bis 31. Mai in der Schweiz statt, aufgeteilt auf die Swiss Life Arena in Zürich und die kleinere Arena in Fribourg.
Für die deutsche Nationalmannschaft ist die WM 2026 mehr als nur ein Turnier unter vielen. Nach dem enttäuschenden Gruppenaus bei der WM 2025 in Schweden steht das Team unter Beweisdruck. Die Generation, die bei Olympia 2018 in Pyeongchang Silber holte und das deutsche Eishockey auf die internationale Landkarte setzte, nähert sich dem Ende ihrer besten Jahre. Draisaitl ist 30, einige Schlüsselspieler aus dem Olympia-Kader haben ihre Nationalmannschaftskarriere beendet oder stehen kurz davor. Die Frage, ob diese Generation bei einer WM noch einmal zu einem Ergebnis fähig ist, das über die Gruppenphase hinausreicht, wird in den kommenden Wochen beantwortet. Die Antwort hängt davon ab, wie viele NHL-Spieler tatsächlich zur Verfügung stehen — und wie schnell sich ein zusammengewürfelter Kader zu einer funktionierenden Einheit formt.
Gleichzeitig richtet sich der Blick bereits ein Jahr weiter: 2027 richtet Deutschland selbst die IIHF-Weltmeisterschaft aus, in Düsseldorf und Mannheim. Die WM 2026 in der Schweiz ist somit die Generalprobe für das Heimturnier — sportlich wie organisatorisch. Was die Mannschaft bei der WM 2026 zeigt, wird die Erwartungshaltung für 2027 prägen: Ein starkes Auftreten in der Schweiz weckt Vorfreude, ein weiteres frühes Aus nährt Zweifel. Die WM ruft — Deutschland ist bereit.
WM 2026 in der Schweiz: Gruppen, Arenen und Spielplan
Die WM 2026 wird in zwei Schweizer Städten ausgetragen. Zürich, mit der Swiss Life Arena als Hauptspielstätte, bietet 12.000 Plätze und gehört zu den modernsten Eishockey-Arenen Europas — die Heimat der ZSC Lions in der Schweizer National League, erst 2022 eröffnet und technologisch auf dem neuesten Stand. Fribourg, die zweite Spielstätte, fasst rund 9.000 Zuschauer und ist traditionell ein leidenschaftlicher Eishockey-Standort, in dem HC Fribourg-Gottéron eine der treuesten Fangemeinden der Schweiz besitzt. Die Aufteilung folgt dem bewährten IIHF-Muster: eine Gruppe spielt in Zürich, die andere in Fribourg, die Finalrunde wird am größeren Standort ausgetragen. Die Schweiz als Gastgeber hat den Vorteil einer exzellenten Infrastruktur und einer Bevölkerung, die Eishockey als Nationalsport behandelt — Auslastungsprobleme dürften bei diesem Turnier kein Thema sein.
Deutschland ist in Gruppe A eingeteilt und trifft auf Finnland, die Schweiz, die USA, Lettland, Ungarn, Österreich und Großbritannien. Die Gruppe ist anspruchsvoll, aber nicht unüberwindbar. Finnland und die USA gehören zur absoluten Weltspitze, die Schweiz ist als Gastgeber besonders motiviert, Lettland hat sich in den vergangenen Jahren als unangenehmer Gegner im Mittelfeld etabliert. Gegen Ungarn, Österreich und Großbritannien wird von Deutschland erwartet, dass Punkte eingefahren werden — Pflichtsiege, die den Weg in die K.o.-Runde ebnen sollen. In der anderen Gruppe, die in Fribourg spielt, stehen unter anderem Kanada, Schweden, Tschechien und die Slowakei — ein Feld, das zeigt, wie dicht die Spitze im Welteishockey besetzt ist. Für Deutschland wäre ein Viertelfinaleinzug das Minimalziel, ein Halbfinale eine Überraschung, die im Bereich des Möglichen liegt.
Der Spielplan der deutschen Mannschaft beginnt am 15. Mai um 16:20 Uhr gegen Finnland. Es folgen die weiteren Gruppenspiele in einem Rhythmus von ein bis zwei Tagen Pause — ein Turnierformat, das wenig Erholungszeit lässt und die Kadertiefe auf die Probe stellt. Das Spiel gegen die Schweiz dürfte besonders atmosphärisch werden: ein Heimspiel des Gegners, eine volle Arena, ein Publikum, das seine Mannschaft zu Höchstleistungen treiben wird. Deutschland als Außenseiter in diesem Spiel — eine Rolle, die der Mannschaft in der Vergangenheit bisweilen gut lag.
Das Turnierformat folgt dem klassischen IIHF-Muster: sechzehn Mannschaften, aufgeteilt in zwei Gruppen zu je acht. Die besten vier Teams jeder Gruppe erreichen das Viertelfinale, das im K.o.-System gespielt wird. Ab dem Viertelfinale geht es über Einzelspiele ohne Rückrunde — ein Tor, eine Chance, ein Aus. Die K.o.-Phase beginnt in der letzten Maiwoche, das Finale ist für den 31. Mai angesetzt.
Für deutsche Fans, die nach Zürich reisen wollen, ist die Anreise vergleichsweise komfortabel. Zürich ist per Flug, Zug oder Auto aus den meisten deutschen Städten innerhalb weniger Stunden erreichbar. Die direkte Zugverbindung von München dauert unter vier Stunden, von Stuttgart knapp drei. Die Nähe zum DACH-Raum dürfte für eine starke deutsche Fanpräsenz in der Arena sorgen — ein Faktor, der bei WM-Turnieren nicht zu unterschätzen ist. Bei den letzten Weltmeisterschaften in geografischer Nähe zu Deutschland war die deutsche Anhängerschaft regelmäßig die lauteste im Stadion. Die Übertragung in Deutschland übernimmt MagentaSport für alle Spiele, ProSieben zeigt die deutschen Partien im Free-TV — ein bewährtes Modell, das bei der WM 2024 bis zu 3,3 Millionen Fernsehzuschauer erreichte.
Der deutsche Kader: NHL-Stars, DEL-Kern und die Gruppengegner
Die Kaderfrage für die WM 2026 ist untrennbar mit dem Olympia-Turnier verknüpft. Die Winterspiele in Milano Cortina enden am 22. Februar, die WM beginnt am 15. Mai — ein Zeitfenster von knapp drei Monaten, in dem die NHL-Spieler zu ihren Clubs zurückkehren und die Regular Season sowie die Playoffs absolvieren. Ob Leon Draisaitl, Moritz Seider und Tim Stützle nach einer langen NHL-Saison inklusive Olympia-Turnier noch für die WM zur Verfügung stehen, ist eine der großen Unbekannten. Historisch reisen NHL-Spieler nur dann zur WM, wenn ihre Teams aus den Playoffs ausgeschieden sind — und je erfolgreicher die Saison, desto unwahrscheinlicher die WM-Teilnahme. Für Deutschland ergibt sich daraus ein Paradox: Je besser die deutschen NHL-Stars in der Regular Season und den Playoffs performen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie bei der WM zur Verfügung stehen. Draisaitl, der mit Edmonton regelmäßig um den Stanley Cup spielt, könnte erst im Juni frei werden — zu spät für ein Turnier, das am 31. Mai endet.
Der Kader wird sich deshalb voraussichtlich aus zwei Säulen zusammensetzen. Das Fundament bilden DEL-Spieler, deren Saison Ende März oder April endet und die für das WM-Vorbereitungscamp zur Verfügung stehen. Ergänzt werden sie durch NHL-Spieler, die nach dem Playoff-Aus ihrer Teams nachnominiert werden. Bundestrainer Harold Kreis muss mit dieser Unwägbarkeit umgehen — ein Balanceakt, den alle europäischen Nationalmannschaften kennen, der aber für Deutschland besonders brisant ist, weil die Qualitätslücke zwischen DEL-Kern und NHL-Verstärkung größer ist als etwa bei Finnland oder Schweden, wo die heimische Liga dichter an der NHL ist.
Der DEL-Kern wird Spieler umfassen, die in der laufenden Saison bei ihren Clubs tragende Rollen gespielt haben — Torhüter mit Playoff-Erfahrung, Verteidiger mit internationaler Routine, Stürmer, die in der DEL Scorerpunkte gesammelt haben. Die Herausforderung liegt in der Integration: Wenn ein NHL-Star wie Draisaitl oder Stützle wenige Tage vor dem ersten WM-Spiel zum Team stößt, muss er in ein System eingepasst werden, das bereits steht. Die Chemie zwischen Spielern, die seit Wochen zusammen trainieren, und Neuzugängen, die gerade erst aus der Playoff-Belastung kommen, herzustellen, ist die schwierigste Aufgabe des Trainerteams.
Die Gruppengegner verdienen eine differenzierte Betrachtung. Finnland ist seit Jahren eine der konstantesten Mannschaften im Welteishockey — diszipliniert, taktisch variabel, mit einer Mischung aus NHL-Erfahrung und Liiga-Qualität. Die Finnen haben eine Turniermentalität entwickelt, die schwer zu knacken ist: Sie verteidigen kompakt, nutzen ihre Chancen kaltblütig und verlieren selten gegen Teams, die sie auf dem Papier schlagen sollten. Die Schweiz spielt zu Hause und wird von der Euphorie eines Heimturniers getragen: Die National League stellt eine der tiefsten Kaderbänke Europas, und Spieler wie Nico Hischier könnten nach der NHL-Saison hinzustoßen. Ein Schweizer Kader mit NHL-Verstärkung und Heimvorteil ist eine der gefährlichsten Aufgaben im Turnier.
Die USA bringen traditionell einen jungen, schnellen Kader mit und haben bei der WM 2025 bewiesen, dass sie um Goldmedaillen spielen können. Ihr Spielstil — tempobetont, physisch, mit einem Fokus auf Umschaltspiel — ist unangenehm für Mannschaften, die auf Puckbesitz setzen. Lettland ist der klassische Stolperstein — ein Team, das wenig zu verlieren hat und Deutschland bei jeder WM alles abverlangt. Die Letten spielen mit einer Intensität und Leidenschaft, die ihre limitierten Ressourcen überkompensiert. Gegen Ungarn, Österreich und Großbritannien wird von Deutschland erwartet, dass sie die Punkte einfahren — doch gerade das Spiel gegen Österreich birgt das Risiko der Unterschätzung, denn das Nachbarland hat in den vergangenen Jahren seine Nachwuchsarbeit deutlich verbessert.
WM 2025: USA holt Gold, Deutschland scheitert in der Gruppe
Die WM 2025 in Schweden und Dänemark wird als historisches Turnier in Erinnerung bleiben — allerdings nicht wegen Deutschlands Leistung. Die USA gewannen erstmals seit 1960 den WM-Titel und beendeten damit eine der längsten Durststrecken im internationalen Eishockey. Im Finale bezwang das US-Team die Schweiz, die zum zweiten Mal in ihrer Geschichte ein WM-Finale erreichte, aber erneut ohne Gold blieb. Das US-Team zeichnete sich durch eine Mischung aus jungen NHL-Talenten und erfahrenen College-Spielern aus, die in einem kompakten Turnier eine bemerkenswerte Chemie entwickelten. Für die Schweiz war das Finale ein Beleg ihrer gewachsenen Stärke — aber auch eine schmerzhafte Wiederholung des Musters, bei großen Turnieren im entscheidenden Moment zu scheitern.
Deutschland schied in der Gruppenphase aus. Eine Niederlage gegen Dänemark — den Co-Gastgeber, der von der Heimkulisse beflügelt wurde — besiegelte das Aus, nachdem zuvor die Punkte gegen die direkten Konkurrenten nicht ausgereicht hatten. Die Analyse fiel ernüchternd aus: Der Kader war ohne die NHL-Stars angetreten, da deren Saison noch lief, und der DEL-Kern konnte das Fehlen der internationalen Klasse nicht kompensieren. Die Defensivarbeit war phasenweise anfällig, das Powerplay unterdurchschnittlich, und die Torhüterfrage blieb bis zum letzten Gruppenspiel ungeklärt. Trotzdem war das Interesse in Deutschland beachtlich: 4,38 Millionen Zuschauer verfolgten das letzte deutsche Gruppenspiel auf ProSieben — ein Beweis dafür, dass auch ein erfolgloses Turnier Aufmerksamkeit erzeugt.
Das Turnier selbst bot Eishockey auf höchstem Niveau. Die USA, angeführt von einem jungen, hungrigen Kader, spielten von der Gruppenphase bis zum Finale eine beeindruckende Konstanz. Ihr Sieg im Finale gegen die Schweiz war verdient und beendete eine 65-jährige Durststrecke — seit dem Olympiasieg 1960 in Squaw Valley, der zugleich als WM-Titel gewertet wurde, hatte kein US-Team mehr WM-Gold gewonnen. Die Schweiz zeigte mit dem Finaleinzug — dem vierten in ihrer WM-Geschichte nach 2013, 2018 und 2024 — einmal mehr, dass sie zu den besten sechs Mannschaften der Welt gehört, auch wenn der letzte Schritt zum Titel erneut misslang.
Für die WM 2026 sind daraus Lehren zu ziehen. Die wichtigste: Ohne NHL-Spieler fehlt dem deutschen Kader die individuelle Qualität, um auf WM-Niveau gegen die Top-8-Nationen zu bestehen. Das ist keine neue Erkenntnis, aber die WM 2025 hat sie mit aller Deutlichkeit bestätigt. Die zweite Lehre betrifft die Vorbereitung: Das Zusammenspiel zwischen DEL-Spielern und spät hinzugestoßenen NHL-Profis muss besser funktionieren, als es in der Vergangenheit oft der Fall war. Taktische Abstimmung braucht Zeit, und Zeit ist das knappe Gut bei WM-Turnieren. Die dritte Lehre ist mental: Deutschland muss lernen, mit der Erwartungshaltung umzugehen, die seit dem Olympia-Silber 2018 an dem Team haftet. Jedes WM-Aus wird an diesem Maßstab gemessen — und das kann zur Last werden.
WM 2027 in Deutschland: Düsseldorf und Mannheim als Gastgeber
Nur ein Jahr nach der WM in der Schweiz wird Deutschland selbst zum Gastgeber. Die IIHF-Weltmeisterschaft 2027 findet in Düsseldorf und Mannheim statt — zwei Städte, die dem deutschen Eishockey seit Jahrzehnten als Hochburgen gelten. Der DEB setzte sich in der Abstimmung gegen Kasachstan durch, mit einem Votum von 102 zu 34 Stimmen — ein deutliches Ergebnis, das die Wertschätzung der IIHF-Delegierten für die deutsche Bewerbung widerspiegelt.
Der PSD Bank Dome in Düsseldorf bietet bis zu 15.151 Plätze und ist die Heimat der Düsseldorfer EG. Die SAP Arena in Mannheim fasst bis zu 15.000 Zuschauer und gehört zu den Stammspielstätten der Adler Mannheim. Beide Arenen sind WM-erprobt: Düsseldorf war bereits 2017 Co-Gastgeber der IIHF-WM, Mannheim kennt internationale Events aus der Champions Hockey League und DEB-Länderspielen. Die Infrastruktur stimmt, die Erfahrung ist vorhanden, und die Vorfreude in beiden Städten ist bereits spürbar. Die Entfernung zwischen den beiden Spielorten — rund 300 Kilometer auf der Autobahn, gut drei Stunden Fahrzeit — ermöglicht es Fans, beide Standorte im Laufe des Turniers zu besuchen. Für internationale Gäste bieten sowohl Düsseldorf als auch Mannheim gute Fluganbindungen und ausreichend Hotelkapazitäten.
DEB-Präsident Dr. Peter Merten kommentierte die Vergabe: „Das ist ein Meilenstein für den DEB. Wir freuen uns sehr über das Vertrauen und den Zuspruch der Delegierten der IIHF.“ — Dr. Peter Merten, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes
Die WM 2027 hat für den deutschen Eishockeysport eine Bedeutung, die über zwei Wochen Turnierbetrieb hinausgeht. Sie ist ein Schaufenster, das den Sport einem breiten Publikum zugänglich macht — ähnlich wie die WM 2010 in Köln und Mannheim oder die WM 2017 in Köln und Paris, die jeweils messbare Effekte auf Zuschauerzahlen und Nachwuchsanmeldungen hatten. Für den DEB ist das Heimturnier eine Chance, die Wachstumsdynamik der vergangenen Jahre zu beschleunigen und neue Fans zu gewinnen, die nach dem Turnier am Sport dranbleiben.
Wirtschaftlich wird die WM 2027 den Standorten Düsseldorf und Mannheim einen Impuls geben: Hotelauslastung, Gastronomie, öffentlicher Nahverkehr und Merchandising profitieren von einem Turnier, das internationale Besucher anzieht. Die Erfahrungen aus 2017 zeigen, dass die wirtschaftlichen Effekte einer Eishockey-WM zwar kleiner sind als bei einer Fußball-EM, aber für die Gastgeberstädte durchaus signifikant — besonders wenn das Turnier mit einer starken deutschen Mannschaft und entsprechendem Publikumsinteresse einhergeht. Der DEB hat für die Organisation eine hundertprozentige Tochtergesellschaft gegründet, die sich ausschließlich um die Ausrichtung der WM kümmert — ein Zeichen dafür, dass die Aufgabe ernst genommen wird und nicht nebenbei im Tagesgeschäft des Verbands mitläuft.
Deutschlands WM-Geschichte: Vom Außenseiter zum Top-10-Team
Die Geschichte der deutschen Nationalmannschaft bei Eishockey-Weltmeisterschaften ist eine Geschichte des langsamen, aber stetigen Aufstiegs. In den 1990er und frühen 2000er Jahren war Deutschland ein Mitläufer — ein Team, das regelmäßig an WM-Turnieren teilnahm, aber selten über die Gruppenphase hinauskam. Die besten Ergebnisse lagen im Bereich der Plätze acht bis zwölf, und gegen die großen Eishockey-Nationen — Kanada, Russland, Schweden, Finnland, Tschechien — gab es wenig zu holen. Die deutsche Liga war damals noch die Bundesliga, die DEL wurde erst 1994 gegründet, und die Nachwuchsarbeit steckte im Vergleich zu den skandinavischen und nordamerikanischen Programmen in den Kinderschuhen. Einzelne starke Spieler wie Uwe Krupp oder Marco Sturm konnten die strukturellen Defizite nicht dauerhaft kompensieren.
Der Wendepunkt kam schrittweise. Die WM 2010 in Köln und Mannheim brachte als Heimturnier eine Euphorie, die den Sport einer breiteren Öffentlichkeit vorstellte — auch wenn das sportliche Ergebnis nicht über die Erwartungen hinausging. Die WM 2017 in Köln, erneut mit Heimvorteil, endete mit einem achtbaren achten Platz. Und dann kam 2018: Olympia in Pyeongchang, das Turnier, das alles veränderte. Deutschland schlug der Reihe nach Schweden und Kanada, erreichte das Finale und verlor erst in der Overtime gegen Russland. Silber — der größte Erfolg in der Geschichte des deutschen Eishockeys.
Pyeongchang war kein Zufall. Es war das Ergebnis einer taktischen Meisterleistung des damaligen Bundestrainers Marco Sturm, einer perfekten Torhüterleistung von Danny aus den Birken und eines Teams, das über sich hinauswuchs. Die Mannschaft verkörperte einen Spielstil, der auf Teamgeist, Disziplin und dem unbedingten Willen basierte, die Grenzen des Erwartbaren zu überschreiten. Aber der Erfolg hatte auch eine Kehrseite: Er setzte einen Maßstab, den die Nationalmannschaft seitdem nicht mehr erreichen konnte. Bei den folgenden WM-Turnieren blieben die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück, die durch den olympischen Silbermedaillengewinn gestiegen waren. Die WM 2019 endete im Viertelfinale, 2021 und 2022 reichte es nicht über die Gruppenphase hinaus, 2023 und 2024 waren durchwachsen.
Heute steht Deutschland in der IIHF-Weltrangliste stabil unter den besten zehn Teams der Welt. Das ist kein Spitzenplatz, aber es ist ein Plateau, auf dem sich die Mannschaft mit einer Mischung aus NHL-Klasse und DEL-Tiefe halten kann. Der Unterschied zu den 1990er Jahren ist fundamental: Damals war ein Viertelfinaleinzug eine Sensation, heute wird er erwartet. Der DEB verfügt über rund 26.000 Mitglieder, die IIHF zählt 6.797 erwachsene und 16.552 jugendliche Spieler in Deutschland — Zahlen, die im internationalen Vergleich bescheiden sind, aber eine Basis bilden, auf der der Sport wachsen kann.
Die WM 2026 wird zeigen, ob dieses Plateau eine Basis für weiteren Aufstieg ist — oder ein Limit, an das die deutsche Mannschaft stößt, wenn die Gegner stärker werden und die eigenen Stars nicht vollzählig antreten können. Die Geschichte des deutschen WM-Eishockeys ist eine Geschichte des Aufholens. Der nächste Schritt wäre, nicht mehr aufholen zu müssen, sondern auf Augenhöhe zu spielen. Die WM ruft — Deutschland ist bereit.
